Wandern und Geschichte rund um Bebenhausen

Unter diesem Motto trafen sich trotz hochsommerlichen Temperaturen die Wanderfreunde vom Bietigheimer Schwarzwaldverein, um mit Bahn und Bus nach Bebenhausen zu fahren.
Wer kennt es nicht, dieses Kulturhistorische Kleinod am südlichen Schönbuchrand? Lassen wir uns alle überraschen!
In Anbetracht der zu erwartenden Temperaturen wurde kurzfristig die geplante Wanderstrecke größtenteils in den Wald verlegt und auch etwas gekürzt, was dankbar angenommen wurde. Durch die Talaue des Golderbaches führte die Wanderstrecke, um später beim Schwefelbrunnen hochzuwandern auf einen Panoramaweg mit Ausblick auf die Klosteranlage und Bebenhausen. Durch Streuobstwiesen der Weiterweg zum Waldesrand, um hier einzutauchen in die Kühle des Waldes. Beim nahen Wildgehege die erste Rast, neugierig beobachtet von den anwesenden Wildschweinen.
Und weiter zogen wir dahin auf Forstwegen durch den herrlichen Mischwald, in der Hoffnung einem Hirsch oder Reh zu entdecken. Aus dem Walde tretend führte uns ein steiler Abstieg nach Bebenhausen zur Mittagseinkehr.
Frisch gestärkt konnte nun die Klosterbesichtigung in Angriff genommen werden. Die ehemalige Zisterzienserabtei Bebenhausen gehört zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Klosteranlagen im südwestdeutschen Raum und kann auf eine über 800-jährige Geschichte zurückblicken. Eine mächtige Mauer aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts schützt den engeren Klosterbereich. Diese Mauer und die herausgehobene Lage auf einem Geländesporn, dazu ein Wehrgang, zwei Türme und ein Zwinger geben dem Kloster das Aussehen einer Burg. Dazu trägt auch der Hauptzugang zur Abtei bei, dieser führt durch den wehrhaften Tor- oder Schreiberturm ins Innere der Klosteranlage.
Dem Abt Peter von Gomaringen, dessen Familie zahlreiche Geistliche hervorbrachte verdankt das Kloster den berühmten Vierungsturm und den Dachreiter des Sommerrefektoriums. Im Kapitelsaal erinnert eine Grabplatte an diesen Abt. Der weithin sichtbare Vierungsturm der Klosterkirche ist das Wahrzeichen von Bebenhausen.  Auf dem Rundgang beeindruckten uns die zahlreichen alten Fachwerkgebäude, der Kreuzgarten, die große Bandscheuer, der Kornspeicher des Klosters. Durch den Zwinger führte uns der Rundgang vorbei an der ehemaligen Klostermühle aus der Klosteranlage.
Die Reformation beendete einst die Tradition der Zisterzienser Mönche, die Klosteranlage wurde evangelische Klosterschule. Anfang des 19. Jahrhunderts musste sich die Klosteranlage abermals einer grundlegenden Änderung unterziehen, sie wurde teils zum königlichen Jagdschloss umgebaut.
Württembergs letzter König Wilhelm II. und seine Gemahlin Königin Charlotte verbrachten nach seiner Abdankung als König hier ihren Lebensabend.
Nach diesen geschichtlichen Eindrücken verbrachten wir die Zeit bis zur Busabfahrt in geselliger Runde bei kühlen Getränken und gut beschattet im nahen Sonnenbiergarten, verbunden mit dem Dank an den Wanderführer.

Anhang:
König Wilhelm II. Von Württemberg war ein volksnaher Monarch, in der Bevölkerung nannte man ihn ,,e guter Ma“.
Er selbst sah sich als Bürger unter Bürgern. Zusammen mit seiner Frau war einer ihrer Leidenschaften die Jagd im nahen Schönbuch.
Viele Anekdoten sind von ihm überliefert, über seine weißen Spitze Ali und Robin und seine Jagderlebnisse.
Als seine beiden Spitze bei einem Abendessen die Frackschöße eines Würdenträgers ruinierten. Auf dessen Beschwerde erhielt dieser die Antwort: „Ich haben ihnen ja schon immer gesagt Exzellenz, dass sie sich beim Diner keine Koteletten in die Rockschöße stecken sollen“.

Als er sich einmal bei der Jagd verlaufen hatte, wurde er von einem Jagdaufseher angetroffen. Da er aber seine Flinte bei sich trug, und auf die Frage des Jagdaufsehers wer er sei, und warum er eine Flinte bei sich habe, da antwortete er: Ich bin der König. Das kann jeder behaupten, und nahm ihn kurzerhand fest. Erst nach drei Tagen dämmerte es den Jagdaufseher, als nach dem König gesucht wurde, wen er eingesperrt hatte.

Bericht: Wolfgang Wachter