Frühlingswanderung zur Scilla-Blütenzeit von Kleiningersheim nach Besigheim
Raus aus dem Bus und schon befinden wir uns auf dem Weg zum historischen Ortskern, dem Kirchplatz mit Georgskirche und Kelter. Es ist ein sonniger Tag, überall sprießt und blüht es, und so genießen wir die Stille in diesem idyllisch gelegenen Ort oberhalb des gemächlich dahinfließenden Neckars.
Die im Renaissance-Stil erbaute evangelische Georgskirche und das ebenfalls vom Baustil der Renaissance geprägte Schloss stellen Anziehungspunkte dar, und so tauchen wir ein in die Geschichte. Das romantisch anmutende Schloss in exponierter Lage war nicht immer ein Schloss. Bis ins späte 16. Jahrhundert handelte es sich bei dem Gebäude um eine alte Burg, bewohnt und bewirtschaftet von den Herren von Ingersheim. Doch wohl nicht so gut bewirtschaftet. Denn um 1580 herum fiel das halb zerfallene Gemäuer an den Edelmann vom Hofe Herzog Albrechts von Bayern, Caspar Notthafft von Wernberg, einem Meister der Ritterturniere. Er war es, der mit dem Umbau zum Schloss begann. Viele Besitzerwechsel erlebte das Kleiningersheimer Schloss seither. Mal waren die Schlossherren Adelige und mal Bürgerliche. Heute ist das edle Gebäude in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Eine für den Schwarzwaldverein zu erwähnende Besonderheit zum Schloss in Kleiningersheim gilt es zu erzählen: Im Zuge der Kriegswirren war im Mai 1944 ein Teil des Bietigheimer Krankenhauses ins Kleiningersheimer Schloss verlagert worden. Und so kam es, dass der Bietigheimer Wolfgang Wachter, der 1. Vorsitzende des Vereins, im Schloss das Licht der Welt erblickte, wie er vor einiger Zeit in einem Interview verriet.
Wir lassen das Kleinod Kleiningersheim einige Augenblicke auf uns wirken, bevor wir weiter wandern auf unserer Frühlingstour hoch über dem Neckar – durch den Haldenwald und den Saalenwald zur Saalenkanzel und anschließend weiter nach Besigheim. Umgeben vom zarten Grün frischer Buchenblätter legen wir am Aussichtspunkt Saalenkanzel eine kleine Rast ein. Von hier aus öffnet sich uns der Blick bis hinüber zum Stromberg und zum Michaelsberg. Und auch ein paar Scilla-Blüten entdecken wir. Nach der Pause geht es weiter auf weichem Waldboden, beschirmt vom frischen Blattgrün der Bäume. Beim Blick zum Waldboden schauen wir in ein Meer weißer Anemonen. Die Scilla-Blüten – auch Blausterne genannt – waren weitaus seltener zu erblicken. Sie waren zum großen Teil schon verblüht. Keine Seltenheit in unseren Tagen, wo wir immer häufiger die Erfahrung machen, dass die Natur inzwischen mindestens zwei Wochen voraus ist. Dennoch stand unsere Wanderung an diesem 2. April unter dem Motto der Scilla-Blüte. Sie gilt in der Mythologie als Symbol für Treue und Beständigkeit, aber auch für Neuanfang und Frühling. Wie keine andere Blüte steht sie für romantische Sehnsucht und Inspiration. Durch ihre flächige Ausbreitung versinnbildlicht sie die Verbindung von Mensch und Natur. Regina Jöns, Mitglied im Schwarzwaldverein, trug uns zur Abrundung des Frühlingserlebens das Gedicht „Frühlingsglaube“ von Ludwig Uhland vor.
Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.
Ludwig Uhland
Zur Schlusseinkehr wurden wir in Besigheim im Gasthaus „Hirsch“ erwartet, wo Karin Knäbel uns wieder mit einer kleinen Osterüberraschung verwöhnte. Ein Osterhasengedicht von Günter Schwarz gab es noch dazu, und so waren wir bestens vorbereitet auf die bevorstehenden Festtage.
Ein besonders herzliches Dankeschön an die beiden Wanderführer Renate und Günter Eichele
Gäste, die mitwandern möchten, sind stets herzlich willkommen. Die aktuell anstehenden Wandertermine finden Sie dienstags in der Bietigheimer Zeitung bekannt gegeben.

