Halbtrockenrasen, Natur und Kulturdenkmäler zugleich

Unsere Halbtrockenrasen verdanken ihre Existenz letztlich der Beweidung und das jährliche Mähen und Pflege, welche die flächenartige Verbuschung verhindert. Doch wirkt das Grün des Halbtrockenrasens niemals frisch, stets spielt es ein wenig ins Gelbe, Braune oder Graue.
Um so bunter sind die vielen Blüten der Kräuter, die sich mit leuchtend gelben, blauen, violetten, roten oder weißen Farbtönen bis in den Sommer hinein überbieten und ablösen.Wie sie wechselt die fast unübersehbare Schar von Hummeln, Raupen, kleiner Schmetterlinge, Käfer, Spinnen und anderer Insekten. Sebst Schnecken leben in dieser steppenähnlichen Lebensgemeinschaft in großer Anzahl.
Im Hochsommer läßt das Blühen nach, die vielen Blätter dürren aus. Nur der würzige Duft des Thymians und anderer Kräuter, deren äterische Öle in der Sommerhitze verströmen, bleibt auch jetzt noch an den Händen und Kleidern haften. Auch die vielfältige Zusammensetzung ihrer Pflanzenarten ergeben ein reichhaltiges Blütenwesen unter anderem der Aufrechten Trespe, dem Wundklee, dem Wiesensalbei, der Esparsette, der Skabiosenflockenblume und unseren heimischen Orchideen.
In Anpassung an den Standort haben die Pflanzen des Trockenrasens lange, oft weitverzweigte Wurzeln ausgebildet. Dieses Wurzelsystem ist oft größer als die oberirdisch in Erscheinung tretende Pflanze.
Schon im zeitigen Frühjahr, sprießt im Halbtrockenrasen Leben. Es zeigen sich an den kaum erwärmten offenen Bodenstellen die kleinen weißblühenden Polster der Hungerblümchen und anderen Kreuzblütlern. Wenig später leisten ihnen das erste Gras, die Frühlingssegge Gesellschaft. Mit zunehmender Erwärmung erscheint das gelbblühende Frühlingsfingerkraut und die in unserem Gebiet selten gewordende Küchenschelle. Ihre ganze Blütenpracht zeigen die Halbtrockenrasen im Mai und Juni mit der Aufrechten Trespe ein goldgelbes, rotes und blaues, sich im Wind bewegendes Farbenspiel. Ferner die Hufeisen, Horn und Wundklee welche flächenartige Blütenteppiche bilden. Die höhere Krautschicht wird von dem rotblühenden Schmetterlingsblütler, der Ersparsette und einem blaublühenden Lippenblütler, dem Wiesensalbei gebildet. Zu den schönsten und zugleich interessantesten Erscheinungen gehören zweifellos die Orchideen. Ihre Blütenpracht vermittelt uns nicht nur einen Hauch der botanischen Mannigfaltigkeit der südlichen Länder.
Die Bekanntschaft mit den ca. 50 Arten der südwestdeutschen Orchideen erleben wir bei einer Wanderung durch die Halbtrockenrasen. Das rosablühende Helmknabenkraut ist die in der jetzigen Jahreszeit die auffallenste Orichidee, welche sogar an Bahnböschungen zu finden ist.
Unsere seltenste Orchidee ist die Bocksriemenzunge, von der nur zwei Standorte im Landkreis bekannt sind. Diese Orchidee bevorzugt warme und trockene Abhänge mit ganz speziellen Standortansprüchen. Viel unauffälliger, und damit auch schwieriger aufzufinden ist eine andere Gruppe von Orchideen, die Ragwurzarten unter anderem die Bienenragwurz, sie hat eine Lippe die der weiblichen Wildbiene stark ähnelt.
Bevor die Sommerruhe eintritt, gibt es hin und wieder, je nach den örtlichen Gegebenheiten nochmals einen Höhepunkt in der blühenden Pflanzendecke des Halbtrockenrasens. So ist z. B. An den Stromberghängen unterhalb der Waldränder der gelbblühende Flügelginster, die Ästige Graslilie, der Hirsch-Haarstrang, die rotblühende Hauhechel, ebenfalls die rotblühende Skbiosenflockenblume, der Echte Dost oder auch Wilder Majoran, eine alte Würz und Heilpflanze anzutreffen. Sie alle gehören zum typischen Bild sommerlicher Halbtrockenrasen. Das allmähliche erscheinende Herbstbraun der Rasengemeinschaft wird noch an vereinzelten Stellen von der blauviolett blühenden Kalk – Aster, oder den weniger auffallenden zwei Enzianarten Fransen und Deutscher Enzian unterbrochen, ehe der Winter Einzug hält.
Und nun viel ,,Neues“ beim Spaziergang / Wanderung durch unsere Natur!

 

W. Wachter Bild: W. Steinkamp
Naturschutzwart